13

In unserer Kultur handelt es sich dabei um keine gute Zahl, ja, wir betrachten sie mitunter sogar als gefährlich.

Einst war es die 13. Fee, die vom König zum Geburtsfest seiner Tochter nicht eingeladen wurde, da er nur 12 goldene Teller besaß (was für ein Grund!) und die sich mit einem Fluch rächte, der dem Kind im Alter von 15 Jahren den Tod gebracht hätte, wäre die 12. Fee nicht noch in der Lage gewesen, dies in einen hundertjährigen Schlaf umzuwandeln.

Im Alltag steht Freitag, der 13., für einen Tag des Unglücks schlechthin und auch in anderen Zusammenhängen vermeiden wir diese Zahl, weil ihr etwas Unangenehmes anzuhaften scheint.

Im Gegensatz dazu trifft sich seit 2004 regelmäßig der Rat der 13 weisen Frauen, bei dem es sich um 13 Großmütter unterschiedlicher indigener Völker handelt. Sie wirken im Namen der Heilung von Mutter Erde, sie tragen die Weisheit ihrer Rituale, ihrer Gebete weiter, sie stehen im Zeichen der 13 Monde des Jahreskreises. Das Wissen der Großmütter, das von der Großen Mutter herreicht, brauchen wir in unserer Zeit dringend. Die Frauen erheben ihre Stimme, nicht nur der Dalai Lama oder Papst Franziskus – wir alle sollten ihnen zuhören.

Auch für mich ist die 13 zu einer kraftvollen Zahl geworden, ich habe 13 Verschenkte Lieder (2015) geschrieben und in meiner Poesie-Tankstelle befinden sich Gedichte von 13 Kolleginnen und Kollegen. Derjenige, dem ich diese Inspiration verdanke, heißt Erich Kästner (1899-1974). Nachdem der in Dresden geborene Schriftsteller sich schon um den 35.Mai (Der 35. Mai oder Konrad reitet in die Südsee, Kinderroman, 1931) gekümmert hatte, schrieb er seinen Gedichtzyklus Die 13 Monate im Jahr 1955 als Großstädter für Großstädter. Mit ungewöhnlichen poetischen Bildern führt Kästner den Leser durch das Jahr; er beschreibt unermüdlich das immer währende Sowohl-als-auch der Natur und des Lebens: Melancholie und Freude sind wohl Schwestern (Der Mai) oder Was vorüber schien, beginnt (Der Oktober). Zum Schluss entwirft er den 13. Monat, die Vision, das Noch-nie-Dagewesene, das ungeschehen Schöne, um schließlich doch zurückzukehren in den normalen Lauf der Jahreszeiten, denn werden kann nur, was schon immer war.

Wer Erich Kästners Erinnerungsbuch Als ich ein kleiner Junge war (1957) gelesen hat, weiß, dass er oft bei seinem Onkel Franz Augustin (1869-1929) zu Gast war und sich, auf der Gartenmauer sitzend, das Treiben des hektischen Albertplatzes angesehen hat. Franz Augustin war ein erfolgreicher Unternehmer, ein Pferdehändler, der um 1900 zu Wohlstand gekommen war. Seine einzige Tochter Dora Naake, Kästners Cousine, starb bei der Geburt ihres Sohnes 1920. Obwohl die Augustins die Villa am Albertplatz bis 1989 erhalten konnten, sie dann aber verloren, erinnert heute nicht mehr viel an die einstige bedeutende Dresdner Unternehmerfamilie. Auf dem St.-Pauli-Friedhof kann man die beeindruckende Grabstätte der Familie Franz Augustin sowie auch das Grab der Eltern Kästners besuchen.

In diesem Jahr feiern wir den 120. Geburtstag des Schriftstellers, deshalb erklingt in der Reihe Begegnungen im Haus Glaser – 100 Jahre Kulturimpuls (gefördert von der Landeshauptstadt Dresden, Amt für Kultur und Denkmalschutz) der von Jazzkomponist Manfred Schmitz (1939-2014) kongenial vertonte Zyklus der 13 Monate am 26.10.2019, 19:30 Uhr, im Haus des einstigen Kunstmäzens Fritz Salo Glaser (1876-1956) in der Bergstraße 23.

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