Zeitgedanken der Schriftstellerin und Musikerin Uta Hauthal

Europäisches

Die Leipziger Buchmesse ist vorbei, sowohl am Sonnabend als auch am Sonntag erlebte ich die erwartete optische und akustische Schlacht, grelle Buchcover, massenhafte Bestseller (was das Label Bestseller längst entwertet hat), Unmengen von Krimis und Thrillern … Und ich erlebte intensive, inspirierende Inseln.

Dazu gehört eine Begegnung mit der Psychologin und Schriftstellerin Nasrin Siege, die an dem Projekt Frei-Raum des Goethe-Instituts beteiligt war. Sie rief auf dem Hintergrund ihrer eigenen Erfahrung als Iranerin, die Ende der 1950er nach Deutschland kam und nach ihrem Studium in Tansania, Sambia, Madagaskar und Ägypten lebte, dazu auf, den Dialog unermüdlich in alle Richtungen zu versuchen, mit geflüchteten Menschen genauso wie mit ihren Helfern, mit denen, die Angst haben und denen, die unter schwierigen sozialen Umständen leben.

Wir hatten die Gelegenheit, kurz miteinander zu sprechen; obwohl wir uns wahrscheinlich noch nicht begegnet sind, waren wir einander sehr vertraut. Ich bin gespannt, ob sich aus diesem Moment etwas entwickeln kann, das uns einen Weg gemeinsam gehen lassen wird.

Am sympathisch einfach und funktional gehaltenen Stand von arte traf ich nicht nur sie, sondern auch Tanja Dückers, die von mir besonders geschätzte Kollegin, mit der ich seit vielen Jahren eng verbunden bin. Mit ihr und Tatjana Brode (Goethe-Institut) fand sich eine Stunde intensiven Gesprächs in einem ruhigen Winkel, bei dem es u.a. um Tanjas Erfahrungen der letzten Zeit in Serbien ging. Außerdem zeigte sich, dass beide von DiEM25 noch nichts gehört hatten, was mir an dieser Stelle einen willkommenen Anlass gibt, etwas darüber zu sagen.

DiEM25 (Democracy in Europe Movement 25) heißt die von Yanis Varoufakis gegründete Graswurzelbewegung, die mittlerweile zu einer ernst zu nehmenden politischen und vor allem einigenden Kraft geworden ist. Mit einer transnationalen Liste wird sie zur Europawahl im Mai antreten, und sie hat ein Programm entwickelt, das sich nicht nur durch sein Denken in die Zukunft hinein auszeichnet, sondern auch dadurch, dass es von den bestehenden Strukturen ausgeht und deren Möglichkeiten ganz auslotet.

DiEM25 strebt keine kurzlebige Palastrevolution an sondern langfristige Reformen.

Aus meiner Sicht bestehen zwei ganz grundsätzliche Aufgaben für uns in Europa: Innerhalb der EU gilt es, endlich wieder miteinander in Verbindung zu kommen, anstatt weiter auseinanderzudividieren (Zentrum-Peripherie, arm-reich, Stadt-Land) und es gilt, ein europäisches Zusammengehörigkeitsgefühl über die EU hinaus zu entwickeln, denn auch Länder wie Albanien, Serbien, Norwegen und die Schweiz gehören schließlich zu Europa.

Seit einigen Monaten bin ich Mitglied von DiEM25.


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