Zeitgedanken der Schriftstellerin und Musikerin Uta Hauthal

Sächsische – Schweiz

Gestern gab es Grund zu feiern: 20 Jahre Schweizer Literaturtage in Sachsen! Zunächst klingt das verwirrend, wieso gibt es bei uns Schweizer Literaturtage? Dabei ist es eine großartige Initiative, die seit 20 Jahren alle Beteiligten gewinnen lässt: der Schweizer Buchhändler- und Verleger- Verband (SBVV) weiß, dass nach der Leipziger Buchmesse alle Bücher (die man natürlich nicht wieder zurück transportieren möchte, wenn sie einmal in Deutschland sind) in sächsische Bibliotheken kommen, dort wertgeschätzt werden und die Schweizer Verlage hier bekanntmachen; die Bibliotheken und ihre Leser wiederum freuen sich über interessante Literatur, die sie geschenkt bekommen und auf diese Weise entdecken können; und der Schweizerisch-Deutsche Wirtschaftsclub (SDWC) freut sich … was hat ein Wirtschaftsclub damit zu tun? Sein Präsident, Herr Björn-Markus Bennert, bringt es auf den Punkt: Wirtschaftliche, ökonomische Beziehungen zwischen europäischen Ländern schaffen keine wirkliche Verbindung, das ist den Möglichkeiten künstlerisch-kulturellen Austauschs vorbehalten; Wirtschaft und Kultur müssen zusammengedacht werden, denn sie gehören zusammen.

Es gibt eine Reihe von Grußworten und Danksagungen an diesem Abend in der Hoflößnitz Radebeul, u.a. von Frau Botschaftsrätin Rascha Osman sowie von Frau Myriam Lang (SBVV), und alle atmen sie diesen Geist des Verbindenden – über Bereichs- und Ländergrenzen hinweg -, deshalb ist es mir eine besondere Freude und Ehre, mit meiner Lesung aus dem Essayband Poesie-Tankstelle: Mit Gedichten unterwegs in Deutschland und der Schweiz ein Teil dieser Veranstaltung zu sein.

Frau Kerstin Scheibe von der Landesfachstelle für Bibliotheken erinnert in ihrem Rückblick an die Entstehung dieser Initiative, an Wendungen und Veränderungen im Laufe der letzten 20 Jahre. Ihr Engagement, ihr Dranbleiben hat zum Gelingen über diesen langen Zeitraum viel beigetragen, aber genauso auch die Offenheit und der Enthusiasmus all der Bibliothekarinnen (ich glaube, es sind tatsächlich ausschließlich Frauen) in Sachsen sowie ihrer Bürger- oder Oberbürgermeister.

Denn ein weiteres Merkmal der Schweizer Literaturtage in Sachsen ist, dass sie nicht in Leipzig, Chemnitz oder Dresden stattfinden, sondern die Medien (in der Regel sind es nicht nur Bücher) gehen an Bibliotheken kleinerer und kleiner Städte wie Lichtenstein, Glauchau, Torgau, Freiberg usw.usf. und auch von den begleitenden Veranstaltungen (meist Lesungen eines Schweizer Autors oder einer Autorin für Kinder und Erwachsene) profitieren einmal nicht die Zentren sondern die Peripherie.

Es gibt also eine ganze Hand voller Gründe, warum den Schweizer Literaturtagen in Sachsen ein weiteres Bestehen für die nächsten 20 Jahre zu wünschen ist!

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