Zeitgedanken der Schriftstellerin und Musikerin Uta Hauthal

Schock-Therapie

In meinem vorhergehenden Beitrag erwähnte ich die medial geschürte Corona-Angst, nun wird es, 11 Tage später, Zeit, über dieses allgegenwärtige Thema genauer und umfassender nachzudenken:

Zunächst trete ich noch einmal einige Schritte zurück, an einen der Anfänge. Viren sind infektiöse organische Strukturen, die zu unserem Leben genauso dazugehören wie Bakterien, die Wissenschaft geht davon aus, dass jedes Lebewesen der Welt von mehreren Virenarten besiedelt ist. Wenn neue Viren auf den Menschen übertragen werden, dann in der Regel von Tieren. Bereits im Zuge von BSE, Ebola, SARS u.a. wurden deshalb Stimmen laut, die auf den Zusammenhang von Massentierhaltung und Entstehung bzw. Verbreitung neuer Viren hinwiesen, die geringeren Fleischkonsum und eine auf das Wohl des Tieres ausgerichtete Viehwirtschaft einforderten. Ende 2019 begann die Ausbreitung des sogenannten Coronavirus (SARS-CoV-2) auf einem Markt in China, wo neben Fischen und Meeresfrüchten auch zahlreiche Wildtiere wie Schlangen und Fledermäuse gehandelt wurden, inzwischen befinden wir uns in vielen Ländern der Erde in einem Ausnahmezustand, weil sich eine Corona-Pandemie entwickelt hat. Das bedeutet auch, wir beschäftigen uns fortlaufend mit Zahlen, so wie es unser wissenschaftlich-ökonomisches Denken kennt, allerdings unterliegen wir hier einer gefährlichen Einseitigkeit: Der Virologe Christian Drosten zum Beispiel beschreibt, dass der Krankheitsverlauf mittlerweile auch in Deutschland gut beobachtet und dokumentiert ist: ca. 90% aller Corona-Patienten erleben milde bis moderate Symptome, es beginnt mit trockenem Husten und Fieber, mitunter ist auch der Magen-Darm-Trakt betroffen, in diesem Stadium werden Antikörper gebildet, nach einer Woche oder spätestens 10 Tagen ist der Patient nicht nur gesund sondern auch gegen das Virus immun. Das, was uns medial jeden Tag begegnet, ist die Darstellung der Infektionen landes- oder weltweit, aber es wird nicht unterschieden, wie groß die Zahl der Neuinfizierten und wie groß die Zahl der mittlerweile Genesenen ist.

Nun hatte jemand die hellsichtige Idee, das Virus aufgrund seiner Form und Struktur Corona zu nennen, lat. für Kranz, Krone, auch kennen wir die Corona als antiken Ehren- oder Siegerkranz bzw. als Oberflächenstruktur von Planeten. Deshalb liegt die Frage nahe, was durch die gegenwärtige Situation, in der das öffentliche Leben sehr weit eingeschränkt ist, aufleuchten und vielleicht sogar siegen kann. Wir sind momentan auf uns selbst zurückgeworfen, es sind neue Räume und eine eigene Stille entstanden, die uns die Möglichkeit geben, unseren tiefsten Verunsicherungen und Ängsten zu begegnen, die wichtigste sicher, die Angst vor dem eigenen Tod oder dem Nahestehender. Die Angst davor, die Kontrolle zu verlieren, ausgeliefert zu sein, es nicht im Griff zu haben. Ich glaube auch, dass wir aufgefordert sind, das, was uns wichtig ist und das, was wir ablehnen, noch einmal neu und gründlich zu befragen. Zum Beispiel bin ich der Meinung, dass ein junger Unternehmer, der mit dem massenhaften Aufkauf und deutlich teureren Verkauf von Atemschutzmasken einen riesigen Gewinn macht, als das bezeichnet werden muss, was er ist: ein Spekulant, der die Notlage oder Panik Anderer ausnutzt. Als Gesellschaft haben wir die Chance zu lernen, dass es nicht genügt, das Bruttoinlandsprodukt zu berechnen, um eine Aussage über den Zustand des Landes zu bekommen und dass es vor allem höchste Zeit ist, die Politik wieder an erste Stelle zu setzen – politische Entscheidungen müssen Grenzen und Rahmen vorgeben für das, was wirtschaftlich und wissenschaftlich umgesetzt werden soll. Wir können all das, was uns gerade fehlt: Ausstellung, Konzert, Vereinstreffen, Sport, Theater, Fest, Museum usw.usf. auf eine neue, intensivere Art schätzen, wertschätzen lernen; wir können die Bedeutung des Regionalen in wirtschaftlicher wie kultureller Hinsicht tief und nachhaltig erfahren. Wir können uns verbunden fühlen, mit dem ängstlichen Panikmacher und Schwarzseher genauso wie mit dem Hoffnungsvollen oder dem Ignoranten, denn wir alle gehören zur Vielfalt des Menschlichen und eines trifft mit Sicherheit zu: vor einem Virus sind alle gleich.

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