Zeitgedanken der Schriftstellerin und Musikerin Uta Hauthal

Zwischenstopp

Heute finden in Dresden mehrere Veranstaltungen mit tschechischen und deutschen Teilnehmern statt, ein Innehalten auf dem Weg zur Leipziger Buchmesse, deren Gastland unsere tschechischen Nachbarn in diesem Jahr sind. Obwohl ich auch selbst in Leipzig lesen werde (am 24.3., 11:30 Uhr, Halle 3, E 401 /Forum Hörbuch und Literatur), habe ich die Vermutung, dass der Zwischenstopp in Dresden interessanter und ansprechender sein könnte als die Messe, denn in den letzten Jahren ist sie ein getreuer Spiegel unserer Entwicklungen geworden: Nach ihrem Ende werden mit Stolz die – selbstverständlich wiederum angestiegenen – Besucherzahlen verkündet und diese Tatsache wird nicht etwa als das gewertet, was sie ist, nämlich eine quantitative Aussage, sondern sie wird behandelt, als beweise sie die inhaltliche Qualität. Unbestritten ist, dass es viele sehens- und hörenswerte Veranstaltungen während der Messe und bei Leipzig liest gibt, manchmal entstehen wunderbar konzentrierte Inseln des Gesprächs, des Zuhörens, aber die Atmosphäre insgesamt ist vor allem eines: optische und akustische Kakophonie.

Zahlen bestimmen unser Denken. Wenn ich Kollegen treffe, gilt häufig die erste Frage nicht dem Inhalt meines neuen Buches, sondern sie lautet: Wie hoch ist die Auflage?

Das Auge, der Verstand, die Zahlen gehören zusammen, die Überbetonung dieser Bereiche führt bis hin zu den Mensch-Maschine-Phantasien im Silicon Valley, wobei von sprechenden Kühlschränken, selbstfahrenden Autos und implantierten Chips geredet wird, als seien diese Entwicklungen Naturgesetze, die nicht vermieden werden könnten, dabei ist doch die entscheidende Frage: Will ich das? Wollen wir so leben? Denkend analysieren wir, unsere Augen sind ein zentralistisches Organ, sie nehmen die Peripherie weniger deutlich wahr – umso wichtiger ist es, dass wir den Blick wieder weiten, dass wir unsere Ohren öffnen, dass wir das Fühlen, die Intuition gleichberechtigt an die Seite des Verstandes stellen. Dies hätte weitreichende soziale, ökologische, wirtschaftliche und ökonomische Folgen, dessen bin ich sicher.

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